Die Welt ist eine Informationsgesellschaft. Das gilt nicht nur pauschal und ist eine Zeiterscheinung, es gilt auch und in besonderem Maße für eine dynamische Sportart wie den Straßenrennsport. Sich häufig schnell verändernde Rennsituationen, Defekte, Stürze, aber auch Hunger und Durst der Rennfahrer sind zu bewältigen. Nicht zu vergessen der Hunger nach Informationen auch der Teilnehmer und Fans. Wie das alles in der Organisation der Bayern Rundfahrt bewältigt wird, soll im Folgenden deutlich gemacht werden.
Brieftauben? Haben in Bayern zwar Tradition, zeichnen sich durch Schnelligkeit und große Zuverlässigkeit aus. Nachteil: Müssen jeweils zum Start mitgebracht werden und fliegen nur in den heimatlichen Schlag. Fazit: hier nicht besonders gut zu gebrauchen.
Die Post von Thurn & Taxis? Auch die hat in Bayern Tradition. Zumindest hat ja auch ein Ableger der Post (Team Telekom) einige Jahre für Furore in Bayern gesorgt. Auch der Pferdewechsel sollte, zumindest in und um Berching, wenn dort gerade Rosstag ist, kein Problem sein. Das bedingt aber die Verlegung der Rundfahrt in den Februar, was nicht im Sinne der Rennfahrer (und der Organisation) ist. Außerdem werden auch in Bayern die Briefkästen immer seltener.
Alphörner? Nur im Allgäu oder durch Allgäuer zu gebrauchen. Solche sind zwar auch im Rundfahrttross vertreten (zum Teil sogar ganz gewichtige), haben aber andere Aufgaben. Das Transportproblem stellt sich hier zusätzlich, auch wenn in Russland gerade am Alphorn Modell „Piroschka“ gearbeitet wird, hier ist aber die Serienreife noch nicht erreicht.
Jodler? Würden die Rundfahrt insbesondere bei unseren internationalen Gästen noch beliebter machen. Werden auch tatsächlich schon eingesetzt, meist aber nur vom Sieger nach dem Überqueren des Zielstriches. Besondere Probleme stellen sich da bei Gegenwind.
Die Teams haben die Frage der Verständigung auch bei international besetzten Mannschaften mittlerweile durch den Knopf im Ohr des Rennfahrers und die Basisstation im Mannschaftsfahrzeug schon (zum Leidwesen manchen Radsportfans und mittlerweile auch der UCI-Verantwortlichen) gelöst.
Nur, wie kommt die Neuigkeit zum sportlichen Leiter? Dank der Firma Mikrofunk aus Gelnhausen konnte seit einigen Jahren schon diese Aufgabe zur Zufriedenheit aller Beteiligten gelöst werden. Alle Fahrzeuge, die sich in der Kolonne bewegen, werden mit Funkgeräten ausgestattet. Auf 3 verschiedenen Frequenzen werden dann Informationen ausgetauscht.
Der Kommissärs(funk)kreis: dient als Plattform für die Schiedsrichter des Weltradsportverbandes. Ist damit der wichtigste (neben dem hier nicht erwähnten, aber ebenso wichtigen Polizeifunk zur Streckensicherung) Baustein, verbindet er doch das Fahrzeug des Oberschiedsrichters (2010 ist das Miroslav Janout (CZE) kurz „UCI“) mit dem Führungsmotorrad und den Jury-Mitgliedern in der Spitze und am Ende der Kolonne sowie dem Besenwagen. Hier werden z.B. die Materialwagen der Teams bei Defekten einzelner Fahrer nach vorne dirigiert, bei Spitzengruppen erfolgt die Freigabe nach vorne zu fahren, der Rennarzt und die neutralen Materialfahrzeuge werden eingesetzt. Im Fahrzeug des „UCI“ sitzt auch der Sprecher von
Radio Tour: dient der Information der sportlichen Leiter. Diese können nur Nachrichten empfangen, nicht aber selber senden. Sie werden so über das Renngeschehen unterrichtet, erhalten Order zur Behebung von Defekten oder die Wünsche von Rennfahrern z.B. nach Getränken oder Bekleidung übermittelt. Thomas Nägele ist der langjährige Sprecher von Radio Tour, der alljährlich von Paris aus nach Bayern anreist, um die Rundfahrt in mindestens 3 Sprachen via Radio Tour zu begleiten. Auch für den Liveticker auf der Homepage der Rundfahrt ist Radio Tour die wichtigste Informationsquelle und damit Drehscheibe in die Redaktionsstube zu Peter Krämer und seinem Team, das die News dann fast in Echtzeit in den Ticker bringt.
Der Orga(nisations)kreis ist der Kreis, auf dem sich alle anderen Teilnehmer des Stabes austauschen können. Dazu gehören die Prämiensprecher ebenso wie die Quartiermeister, der Rundfahrtleiter, die Werbekolonne oder der Rennleiter. Insbesondere beim Rennleiter laufen die Fäden sowohl der sportlichen Leitung als auch der Polizei zusammen.
Bernd Potthoff beweist in dieser Funktion seit einigen Jahren die notwendige Ruhe und Übersicht. Einzig Bahnübergänge mit möglichem Zugverkehr sorgen bei ihm noch für (gewisses) Unwohlsein.
Das Pressezentrum, ausgestattet mit etwa 25 Arbeitsplätzen für Journalisten aus ganz Deutschland, ist das Herz der Berichterstattung über die Bayern Rundfahrt. Im Zielort der Etappe arbeitsbereit etwa eine Stunde nach dem Start, ermöglicht es nicht nur den Kollegen der schreibenden Presse, sondern auch den zahlreichen Fotografen beste Arbeitsmöglichkeiten und, dank Oskar Nichler, schnellste Verbindungen in alle Welt. Bereits nach wenigen Minuten ist ein Flash beim Bayerischen Rundfunk, via Liveticker und ergänzendem Kommentar werden auch die Presseagenturen mit dem Ergebnis versorgt. Und in diesem Jahr wird noch mehr informiert: auch Twitter hat bei der Bayern Rundfahrt Einzug gehalten.
Damit kommen die Brieftauben doch noch zu ihrem Recht, auch wenn sie nicht gurren und keine Botschaften überbringen, so ist doch ein leichtes Zwitschern zu vernehmen, in der Informationsgesellschaft.














